Walter Boudreau (* 15. Oktober 1947 in Montreal) ist ein kanadischer Komponist und Saxophonist.
Boudreau studierte zunächst Klavier und später Saxophon bei Doug Michaud. Im Alter von fünfzehn Jahren wurde er Mitglied einer Jazzband unter Arthur Romano. 1966 gründete er in Montreal eine eigene Band. Bei Auftritten während der Expo 67 im Jugendpavillon lernte er Raoul Duguay kennen. Mit diesem und Mitgliedern des
Quatuor de jazz libre du Québec gründete er 1968 die Gruppe
Infonie, ein multimediales Ensemble aus 22 Musikern, das eine Mischung aus klassischer Musik, Pop und zeitgenössischer Musik spielte.
Parallel dazu studierte er von 1968 bis 1970 Musikanalyse bei Bruce Mather an der McGill University und von 1969 bis 1973 Komposition bei Gilles Tremblay am Konservatorium von Montreal und bei Serge Garant an der University of Montreal. Er besuchte 1971 Sommerkurse bei
Pierre Boulez in Cleveland und war während der Darmstädter Ferienkurse 1972 Schüler von
Mauricio Kagel, György Ligeti,
Karlheinz Stockhausen und
Iannis Xenakis.
Seit 1972 trat die Gruppe
Infonie als Oktett auf. Während seiner Studien bei Xenakis in Paris 1973-74 formte er die Gruppe in das
Quatuor de saxophones de l'Infonie um. Die Gruppe, die ein überwiegend zeitgenössisches Repertoire spielte, trat u.a. beim
World Saxophone Congress 1970 in Chicago sowie in British Columbia (1981), in Montreal, Quebec und Toronto auf und spielte in Rundfunk- und Fernsehsendungen der CBC. Seit 1982 arbeitete die Gruppe als
Montreal Saxophone Quartet (mit Simon Stone René Masino, David Clark und Boudreau).
1973 gewann Boudreau den ersten Preis bei der
CBC National Radio Competition für junge Komponisten mit den
Variations I. 1982 verlieh ihm das Canadian Music Council den
Jules Léger Prize für
L'Odyssée du soleil.
Als Mitglied der
Groupe des sisses (neben Michel-Georges Brégent, Michel Gonneville, Denis Gougeon, Alain Lalonde und
John Rea) beteiligte er sich an Gemeinschaftskompositionen wie
La Folia (1984) und
Musique des jardins sans complexe (1987). 1991 erhielt er für
Golgot(h)a den
Grand Prix Paul Gilso.
Seit 1988 war Boudreau künstlerischer Leiter und erster Dirigent der
Société de musique contemporaine du Québec (SMCQ), von 1990 bis 1993 Composer in Residence beim
Toronto Symphony Orchestra. Mit Denys Bouliane leitete er von 1998 bis 2000 das Festival
Musiques-au-présent des Quebec Symphony Orchestra. Unter ihrer Leitung fand auch die Uraufführung der
Symphonie du millénaire, einer monumentalen Gemeinschaftskomposition von neunzehn Musikern, statt. 2003 leitete er, wieder mit Bouilane, das erste internationale
Nouvelles Musiques festival von Montreal. 2003 wurde er vom
Canada Council mit dem
Molson Prize ausgezeichnet.